Prettau denkt seine Zukunft: Zweite Bürgerversammlung zum Gemeindeentwicklungsprogramm

Prettau gestaltet seine Zukunft: Bei der zweiten Bürgerversammlung wurden die Ergebnisse der Bürgerbefragung und erste Fachanalysen vorgestellt.

Veröffentlichungsdatum:

03.07.2026

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3 Minuten

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Beschreibung

Am Donnerstag, den 4. Juni 2026, trafen sich zahlreiche Prettauerinnen und Prettauer zur zweiten Bürgerversammlung im Rahmen der Entwicklung des Gemeindeentwicklungsprogramms für Raum und Landschaft.

Fachleute aus den Bereichen Siedlung, Mobilität, Landschaft und Tourismus präsentierten ihre Analysen, aufbauend auf die Ergebnisse der Bürgerbefragung, die erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt wurde. Als Expert*innen begleiten den Prozess Ingena, Bergmeister, Kohl und Partner sowie das Regional Management Lag Pustertal.

Eine Gemeinde im Wandel
Bürgermeister Robert Alexander Steger eröffnete die Versammlung mit einem klaren Lagebild: Prettau zählt derzeit 508 Einwohner und Einwohnerinnen und verzeichnet seit circa 25 Jahren den stärksten Bevölkerungsrückgang im ganzen Land. Laut ASTAT-Prognosen ist bis 2040 ein weiterer Rückgang zu erwarten. Gleichzeitig betonte der Bürgermeister die Stärken der Gemeinschaft: rund 40 Vereine, ein starkes Ehrenamt –  so etwa die erst kürzlich ins Leben gerufene First-Responder-Gruppe – und ein ausgeprägter sozialer Zusammenhalt. Der laufende Planungsprozess sei die Gelegenheit, dem Trend entgegenzuwirken und gezielte Impulse zu setzen.

Bürgerbefragung und Siedlungsentwicklung
111 eingereichte Formulare entsprechen einer Beteiligungsquote von 21,5 % – ein im Vergleich zu anderen Gemeinden guter Wert. Die Auswertung zeigt strukturelle Herausforderungen: 62 % der Haushalte sind Ein- oder Zwei-Personen-Haushalte, die Auspendlerquote liegt bei 88,3 %, und die Gewerbefläche pro Einwohner ist mit 0,2 ha weit unter dem Landesdurchschnitt. Beim Wohnraum stehen 26 leerstehende, sanierungsbedürftige Immobilien und eine Restbaukapazität für rund 9 Wohnungen einem geringen Neubaubedarf gegenüber. Grundsätzlich wurde die Frage aufgeworfen, ob gezielter Zuzug gefördert werden soll.

Mobilität: Gut aufgestellt, mit Lücken
32 % der Bevölkerung nutzen den öffentlichen Nahverkehr – im regionalen Vergleich ein hoher Wert. Dennoch wurden Lücken im Fußwegenetz, fehlende Fahrradverbindungen und verbesserungswürdige Bushaltestellenausstattung aufgezeigt. Kasern ist in Prettau der Hotspot für Besucherströme, weshalb ein „autofreies Kasern" durch Elektro-Shuttles als Chance andiskutiert wurde.

Landschaft: Stärke und Verantwortung
74 % der Gemeindefläche stehen unter Natur- oder Landschaftsschutz, 86 % der landwirtschaftlichen Nutzflächen werden als Almflächen bewirtschaftet. Der Landschaftsplan bezeichnet Prettau als eine der schönsten und am besten erhaltenen Berggemeinden Südtirols. Als zentrale Herausforderungen wurden die abnehmende Almbewirtschaftung und das Risiko, dass Hofstellen zu Spekulationsobjekten werden, benannt. Chancen liegen in der engeren Zusammenarbeit zwischen Landwirtschaft, Tourismus und Gastronomie sowie in der Förderung lokaler Direktvermarktung.

Tourismus: Qualität vor Quantität
Prettau zählt 386 Betten, 34.409 Nächtigungen und 89 Vollbelegstage – Zahlen, die die periphere Lage widerspiegeln, aber auch zeigen, dass Massentourismus hier noch keine Wurzeln geschlagen hat. Der Aufenthaltstourismus wird von der Bevölkerung positiv bewertet, der Tagestourismus rund um Kasern hingegen kritisch gesehen. Als Zukunftschance wurde die Positionierung als Gesundheitsdestination mit Klimastollen, Kneipp-Anlage und Gesundheitsweg eingebracht. Ein bereits bekannte Strategie die Potential für mehr birgt.

Lebhafte Diskussion
Die anschließende Diskussion zeigte die drängendsten Anliegen der Bevölkerung: die Bedeutung der Alm- und Waldwirtschaft für den Erhalt der Kulturlandschaft, Wohnraum für die jüngere Generation sowie der Umgang mit Leerständen. Zum Thema Seniorenbetreuung stellte Bürgermeister Steger klar, man setze auf Kooperationen mit Nachbargemeinden und den Ausbau ambulanter Dienste. Kritisch äußerte er sich zu den Landesvorgaben zur Null-Versiegelung bis 2040: Für eine Gemeinde wie Prettau, die stets sparsam mit Grund und Boden umgegangen sei, brauche es mehr Flexibilität.

Nächste Schritte
Mitte Juni nimmt eine Arbeitsgruppe, bestehend aus Vertreterinnen und Vertreter  diverser Sektoren der Gemeinde Prettau, ihre Arbeit auf. Bis in den Herbst hinein, werden Visionen, Handlungsfelder und konkrete Maßnahmen für die Gemeinde Prettau erarbeitet. Und wer noch weitere Ideen für die Gemeinde Prettau einbringen möchte, kann diese laufend tun, über die Ideenbox, sowohl digital als auch als direkt im Gemeindeamt.


QR Code 

(Ideenbox digialer Zugang)

Die Ergebnisse des Gesamtprozesses sind im ersten Halbjahr 2027 zu erwarten und werden im Rahmen der 3. Bürgerversammlung der Bevölkerung vorgestellt.
 
Ergänzende Unterlagen:

Zusammenfassende Präsentation der 2. Bürgerversammlung als PDF

Ergebnisse der Bürgerbefragung – Auswertung als PDF


Bürgermeister R.A. Steger

Robert Alexander Steger (Bürgermeister der Gemeinde Prettau) begrüßt die Bürgerinnen und Bürger von Prettau

Präsentation

Stefanie Oberarzbacher (Ingena) präsentiert den Fachbereich Landschaft, Grün- und Freiräume

Fragestellung

Die Experten und Expertinnen stellen sich den Fragen des Publikums vlnr. Alois Kronbichler (Kohl und Partner), Marco Molon (Ingena), Robert Alexander Steger (Bürgermeister Gemeinde Prettau), Mateo Senoner (Bergmeister), Stefanie Oberarzbacher (Ingena).  

Diskussion

Lebhafte Diskussionen mit dem Publikum 

Diskussion

Lebhafte Diskussionen mit dem Publikum  

Kontakt

Bürgermeister

KIRCHDORF 84/A, 39030 PRETTAU+39 0474 654 123

Weitere Informationen

Zuletzt aktualisiert: 03.07.2026, 12:15 Uhr

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